In der Krise nicht jede Woche stärkere Medikamente geben

Frankfurt – “Konjunkturpakete können allenfalls
die Selbstheilungskräfte stimulieren und vielleicht auch die Stimmung
bessern. Deshalb sollten wir nicht jede Woche die Dosis erhöhen,
sondern erst einmal auf die Wirkung unserer ,Medikamente` warten”,
mahnte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel bei der Ehrung der
“Wirtschaftsredaktionen des Jahres” am 5. Mai im Städel Museum in
Frankfurt vor mehr als 100 führenden Wirtschaftsjournalisten und
Unternehmenssprechern Deutschlands.

“Für den Ausweg aus der Krise reicht das Geld des Staates – oder
besser unser aller Geld – sowieso nicht”, sagte Keitel. Gegenwärtig
sieht der BDI-Präsident erste Lichter am Ende des Tunnels. Er machte
aber auch klar, dass die aktuelle Situation noch dauern werde, wir
dann aber wieder auf neues Wachstum zugehen würden.

Sorge bereitet Keitel, dass wir nach dieser Krise vor den Trümmern
unseres Wirtschaftsmodells stehen könnten. “Vor der Krise konnte es
nicht neoliberal genug zugehen, jetzt richten es am besten wieder die
Politiker. Die Balance zwischen Markt und Staat will fein austariert
sein. Gerade in Zeiten des längst gestarteten Wahlkampfes ist das
kein leichtes Unterfangen”, sagte Keitel.

An die Journalisten stellte der BDI-Präsident die Frage, ob es
nicht an der Zeit wäre, dass sie sich auf die journalistische Tugend
der Distanz besinnen. “Mangel an Distanz hat schon bei der
New-Economy-Krise den Wirtschaftsjournalismus in Verruf gebracht”,
sagte Keitel. Fundierte Einschätzung und verbindliche Orientierung
seien heute im Journalismus rar.

Als “Wirtschaftsredaktion des Jahres” wurde erneut die “FAZ”
ausgezeichnet vor dem “Handelsblatt” und der dpa, die gemeinsam den
zweiten Platz erreichten. Bereits zum fünften Mal hatten die Sprecher
der 300 wichtigsten Unternehmen Deutschlands für das Branchenmagazin
“Wirtschaftsjournalist” die Wirtschaftsberichterstattung deutscher
Medien bewertet.

In seiner Dankesrede zeigte sich auch “FAZ”-Herausgeber Holger
Steltzner besorgt: “Es gibt in manchen Verlagen eine verstärkte
Neigung, das Geschäft mit den Anzeigenkunden mit den Aufgaben der
Redaktion zu vermengen. Hierbei wird schönfärberisch von ,innovativen
Werbeformaten´ geredet, gemeint ist jedoch nichts anderes als
journalistische Auftragsarbeit. Jeder Verleger und jeder Redakteur,
der sich auf solche unseligen Geschäfte einlässt, muss wissen, dass
er Gefahr läuft, damit langfristig das Wertvollste zu verspielen, das
wir besitzen: unsere Glaubwürdigkeit und damit unsere Zukunft.”

Pressekontakt:
Johann Oberauer, Tel. 0043 664 2216643, E-Mail:
johann.oberauer@oberauer.com

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